Interview

Interview: Nationalspieler Matthias Peischer im Gespräch mit BEV Sportobmann Alois Bosl

Nationalspieler Matthias Peischer stellt dem stellv. BEV Sport Landesobmann wichtige Fragen zum Thema: Stocksport in Bayern – Was bringt die Zukunft ?

Der Bayernpokalmodus im Winter sorgt immer wieder bei vielen Schützen für Unmut. Belegt man in der 7er Gruppe nicht einen der ersten zwei Plätze ist keine Chance mehr für die Qualifikation zum Deutschen Pokal vorhanden, dennoch sind noch drei, in dem Fall „sinnlose“, Spiele zu bestreiten. In der Finalgruppe der vier Gruppensieger gibt es kein klassisches Endspiel, was dem Wettbewerb Spannung nimmt und da die anderen Mannschaften selbst noch zu spielen haben, sind nicht einmal die Schützen im Stadion als Zuschauer dabei. Kein Wunder also, dass viele Teams auf diesen späten Termin im März gänzlich verzichten. Nun soll der Modus ja dahingehend angepasst werden, dass Damen und Herren den Bayernpokal in einem Stadion bestreiten mit zwei 7er Gruppen (Damen) und zwei 9 er Gruppen (Herren) + Finalspiele.
Kann dies die Attraktivität des Pokals erhöhen oder ist dies aussichtslos, allein schon deswegen, weil es beim Deutschen Pokal keine Möglichkeit mehr gibt sich zum Europacup zu qualifizieren?
Droht dem Pokal im Winter das gleiche Schicksal wie im Sommer bei den Herren?

Antwort:
Da der Pokal seit Jahren immer mehr an Interesse verloren hat, wird dies der letzte Versuch sein, durch diese Anpassung die Attraktivität zu steigern. Sollte dies nicht gelingen, so wird der Pokal Wohl oder Übel das gleiche Schicksal erleiden wie im Sommer.
Ich denke aber schon, dass der Pokal durch die Reduzierung von Mannschaften und den Einbau von Finalspielen spannender wird und uns noch das ein oder andere Jahr erhalten bleiben wird.

Mit dem Beschluss ab dem Sommer 2018 die 1. Bundesliga der Herren im „Staatsligamodus“ von Österreich zu spielen, wurde eine richtungsweisende Entscheidung für die Zukunft getroffen.
Wie kam es letztendlich dazu diesen radikalen, mit Sicherheit aber richtigen, Schritt zu gehen?. Welche Chancen bringt der Modus für den BEV, aber auch für die Vereine? Und gleichzeitig, welche Risiken und Hürden sind zu erwarten?

Antwort:
Die Argumente für diese, so hoffe ich, richtungsweisende Entscheidung waren nicht mehr zu überhören:
– das Drängen von den teilnehmenden Mannschaften
– die Einsicht, den Spitzensport besser repräsentieren zu müssen
– den Anschluss an unser Nachbarland nicht zu verlieren usw.
Die Chancen liegen in erster Linie bei den Vereinen, etwas aus dem angebotenen Modus zu machen. Sei es nun die Möglichkeit, den Verein finanziell besserzustellen, oder ihren Verein bzw. die Sportart besser ins Rampenlicht zu bringen, oder um Jugendlichen den Sport näher zu bringen, um in ihnen das nötige Interesse zu wecken.Die Chance für den BEV liegt daran, zu erkennen, dass man zukünftig noch mehr auf die Vereine eingehen sollte und sich den Veränderungen schneller anpassen muss.Selbstverständlich besteht immer ein Risiko, wenn eine Entscheidung nicht den gewünschten Erfolg bringt, aber wer nicht wagt, der auch nicht gewinnt. Bislang wurde nur beklagt was nicht passt oder gefällt, jetzt wird sich zeigen was machbar ist und ob die richtige Richtung eingeschlagen wurde.Meiner Meinung nach wird es auch Anlaufschwierigkeiten geben, da der Modus völlig neu in Bayern ist und die Veränderungen doch sehr umfangreich sind. Hierbei erwarte ich aber auch eine gewisse Nachsicht von unseren Vorzeigeathleten.

Ein häufig diskutiertes Thema ist die Medienpräsenz des Stocksports. Frühe Startzeiten, stundenlange Turnierdauern, unübersichtliche Modi, eine zu große Zahl von Mannschaften auf dem Eis, das Fehlen von Finalspielen und vieles mehr führt jedoch nicht nur dazu das Zuschauer fernbleiben, sondern erst Recht auch die Medien unseren Sport kaum zur Kenntnis nehmen. Mit „Föckis-Fanradio“ und Sportdeutschland TV wird seit letztem Jahr dieser Situation auf vorbildliche Weise entgegengewirkt und aufgezeigt, dass eine interessante Berichterstattung durchaus möglich ist.
Wie gestaltet sich derzeit die Medienarbeit beim BEV?
Wäre es eventuell sogar eine Überlegung wert einen radikalen Schnitt zu machen, den Sport grundlegend (Regelwerk, Spielmodus…) zu überarbeiten und somit für Zuschauer und Medien leichter verständlich und somit auch attraktiver zu machen?

Antwort:
Die Medienarbeit im BEV gestaltet sich derzeit außerordentlich positiv. Dank der Zustimmung unseres BEV-Präsidiums gelang es uns, Thomas Föckersperger mit seinem „FÖCKIs-Fan Radio“ und Josef Parstorfer mit „JP-STOCKSPORTMEDIA“ für den BEV als Medienwarte zu gewinnen. Beide machen seit Jahren eine super Arbeit und ich freue mich, dass sie unter unserem Dach beherbergt wurden.
Einen Schnitt wird es sicher geben, jedoch nicht radikal.
Zu den grundlegenden Änderungen des Regelwerkes möchte ich nichts sagen, da diese Entscheidungen der IFI obliegen und wir hier nur bedingt Einfluss nehmen können. Ich bin aber der Meinung, sollte man olympisch werden, wird es zwangsläufig zu einer Überarbeitung kommen müssen.
Ein neuer Spielmodus wurde erst dieses Jahr in der Bundesliga eingeführt, sollten hier die gewünschten Erwartungen eintreffen, bin ich überzeugt, dass auch bei anderen Ligen ein Umdenken erfolgen wird.

Das wahrscheinlich wichtigste Thema im Stocksport: Jugendarbeit. Die wenigsten Vereine in Bayern betreiben aktiv Jugendarbeit, dabei liegt hierin doch die Grundlage, damit sich die Vereine selbst erhalten und somit auch unser Sport am Leben bleibt. Seit Jahren sind es die selben Vereine, die erfolgreich mit dem Nachwuchs arbeiten und folglich auch entsprechende Triumphe im Seniorenbereich feiern können, in der Breite geschieht hier aber viel zu wenig und eine Menge Potential in allen Regionen Bayerns bleibt ungenutzt.
Welche Bedeutung misst du der Jugendarbeit zu und mit welchen konkreten Maßnahmen kann der BEV dafür sorgen, dass mehr Vereine sich der Jugendarbeit annehmen?

Antwort:
Jugendarbeit muss für jeden Verband an erster Stelle stehen, jedoch ist es nicht die Aufgabe die Jugendlichen zu den Vereinen zu bringen, vielmehr die Voraussetzung dafür zu schaffen. Viele Vereine verstehen es nicht, jüngere Leute adäquat anzusprechen.
Zukunftssicherung im Verein bedeutet, die Generationen zusammen zu bringen, Respekt vor der Unterschiedlichkeit und die bestmögliche Vereinigung der verschiedenen Stärken. Es geht weder ohne die Älteren, noch ohne die Jüngeren. Ein gutes Miteinander der Generationen lebt auch nicht von der Gleichmacherei. Das Motto: „Weil wir das immer schon so gemacht haben, wird es auch weiterhin so gemacht“, sollte abgestreift werden. Wir leben in einer Zeit der Veränderungen und des Wandels und Vereine müssen sich dementsprechend mit verändern.
Da wären wir auch schon bei den Maßnahmen wie der BEV dafür sorgen kann, die Weichen richtig zu stellen.
– Anpassung der Anfangszeiten (eventuell U19 + U23 am Freitagabend)
Die Jugendlichen von heute haben ein anderes Ausgehverhalten wie noch vor 20 Jahren.
– Anzahl der Mannschaften reduzieren
Junge Leute schreckt es ab, stundenlang auf Eis zu stehen.
– Attraktivität steigern durch Mehrfachaufstieg
Im heutigen Sommerspielbetrieb, müsste eine U23-Mannschaft, wenn sie von unten beginnt, 6-8 Jahre in Folge aufsteigen, damit sie ganz oben ankommt.
– Unterstützung der Vereine durch gezielte Aufklärung (Vorträge)Mehr Offenheit bei den Mannschaftskonstellationen im Jugendbereich.

In den vergangenen Jahren wurde die Ligastruktur überarbeitet und unter anderem die Ober- und Landesliga im BEV abgeschafft und die Mannschaften dem jeweiligen Bezirk zugeordnet. Dies hat bei vielen Vereinen für Unverständnis gesorgt, nicht zuletzt, da der Aufstieg in die Bayernliga aus der Bezirksoberliga (z. B. im Bezirk 1) extrem schwer ist.
Ist die aktuelle Situation in der Ligastruktur und auch Stärke in deinem Sinne oder sind hier Änderungen denkbar?

Antwort:
In meinen Augen hat sich hier nichts verändert, nur die Liganamen. Kein Mensch hätte sich beschwert, wenn die Liganamen nicht nach Ober-, Landes-, Bayernliga benannt gewesen wären, sondern nach 1.Liga, 2.Liga, 3.Liga usw., denn dann wäre schnell klar geworden, dass die meisten von ihnen in derselben Liga spielen wie vorher auch. Der Aufstieg ins Oberhaus ist und bleibt genau so schwierig wie bisher. Das Niveau ist in den Bezirken deutlich gestiegen. Wäre eine Liga neu hinzugekommen, gäbe es sicherlich eine breite Zustimmung, da zusätzlich Mannschaften aufsteigen würden. Wird aber eine Liga rausgenommen, was übrigens schon vor Jahren geschehen hätte müssen, gibt es Unverständnis, da Mannschaften zusätzlich absteigen müssen.Was die Klassenstärken anbelangt, kann ich nur sagen, je mehr umso länger, je länger umso unattraktiver, je unattraktiver umso weniger medieninteressierter.Bisher gab es immer wieder Veränderungen, es wird und muss sie auch weiterhin geben.

Der Traum von Olympia lebt ja anscheinend immer noch.
Deiner Meinung nach ein Traum der zur Realität werden kann oder Utopie?
Wenn Nein zu Olympia: Was müsste sich ändern?
Wenn Ja zu Olympia: Welche Chancen bietet das für den Stocksport?

Antwort:
Ich würde es mir wünschen 2022 dabei zu sein. Die Bedingungen und Hürden für eine Aufnahme sind enorm hoch. Für den Stocksport würde sich ein großes Tor öffnen, denn dadurch könnten unsere Sportler endlich mit medientechnischer Unterstützung weltweit zeigen, wie spannend und faszinierend dieser Sport sein kann, vorausgesetzt jeder TV-Zuschauer kann auch nachvollziehen worum es dabei geht bzw. nach welchen Regeln gespielt wird.
Im Gegensatz zu den fachkundigen Zuschauern, die Wettbewerbe im Eisstadion besuchen, die meistens von ihnen sind ohnehin Stocksportler, wird sich bei einer Liveübertragung im TV dasselbe Problem der Verkomplizierung unserer Sportart rauskristallisieren. Wie wollen sie einem TV-Besucher den Sport näherbringen, wenn er die Regeln nicht kennt bzw. es sehr schwer ist, sie zu verstehen?
Eigentlich müsste sich jeder Stocksportler „Olympia“ wünschen, denn nur dann würde sich etwas ändern, bei einer Ablehnung durch das NOK bliebe alles wie bisher.
Vor allem finanziell würden die Verbände profitieren, denn die olympischen Sportarten werden erheblich stärker gefördert als nichtolympische, was wiederum unseren Sportlern zu Gute kommen würde. Persönlich glaube ich nicht daran, dass der Stocksport olympisch wird, erst wenn es geschrieben steht.

Wagen wir einen Blick in die Zukunft.
Wo steht in deinen Augen der Stocksport in zehn Jahren?

Antwort:
Es ist schwer zu sagen, wo wir uns die nächsten 10 Jahre hinbewegen.
Der Sommerspielbetrieb wird mehr und mehr in den Vordergrund rücken, da viele Städte und Kommunen ihre Finanzlasten auf die jeweiligen Akteure umlegen und abwälzen wollen. Die jüngste Vergangenheit hat gezeigt, wie sehr die Preise bei manchen Eisstadien nach oben geschnellt sind. Es zeigt sich auch, dass im Winterspiel-betrieb mehr Mannschaften ihren Meisterschaftsspielbetrieb einstellen als im Sommer.

Welche Ziele und welche Wünsche hast du für deine Amtszeit als Landesobmann-Sport?

Antwort:
Meine Ziele sind bis heute die selbigen geblieben, den Sport dahingehend zu verändern, dass er jedem Spaß macht. Seit Beginn meiner Amtsübernahme handle ich nach dem Grundsatz „Wenn die Vereine und Mannschaften zufrieden sind, erst dann bin ich es auch“.
Von einem mir gestecktem Ziel musste ich aber leider schnell loslassen, nämlich, dass man es nicht jedem Recht machen kann.
Wunsch habe ich nur einen, dass die ewigen „Nörgler und Besserwisser“ ihre Energie dahingehend einsetzen, um den Stocksport nach vorne zu bringen, anstatt versuchen ihn kaputt zu reden.
Das heißt aber nicht, dass man seine Meinung nicht vertreten darf oder sollte, jedoch sollte diese immer konstruktiv bleiben und niemals unter der Gürtellinie enden.

Quelle: http://josefparstorfer.wixsite.com/stocksportbulisued18